25.07.2017

Absurdes Theater

Das neue Theaterstück der Theatergruppe ‚Improvertiert’ der Helene-Lange-Schule Mannheim feierte im TIKK – THEATER IM KULTURHAUS KARLSTORBAHNHOF Heidelberg am 25. April Premiere.




Im neuen Improtheaterstück der Schülertheatergruppe "THE OTHERS – wie viel anders ist normal?“ wird auf humoristisch-ernste Weise der Frage nachgegangen, wie wir  “Normalsein” bzw. “Verrücktheit” wahrnehmen und wie wir damit umgehen.
So kämpft zum Beispiel eine Psychologin mit ihrer Schizophrenie-Erkrankung und vor allem damit, ob sie sich als derart Erkrankte “outen” soll. Als ihre Kollegen schließlich von der Krankheit erfahren, äußern sie ihr vollstes Verständnis und zeigen sich tolerant, in Gedanken verurteilen sie die Ärztin jedoch aufs Schärfste. Dabei wird die vorgetäuschte Normalität der Nicht-Kranken durch eine personifizierte Stimme als Lüge entlarvt. Die innere Stimme der kranken Psychologin klärt sie nämlich darüber auf, dass ihre Kollegen auch ihre Problemchen haben – die Normalität hat demnach gerade nicht bei den Hütern der geistigen Gesundheit Einzug gehalten.

Eine multiple Persönlichkeit präsentiert sich dem Publikum in einer Talk-Show der ganz anderen Art. Die Themen werden zunächst vom Publikum erfragt. So ist zum Beispiel eine kuriose Erfindung, wie eine sich selbstausräumende Spülmaschine Gegenstand des Gesprächs zwischen Moderator und Gast, der gleich von drei Schauspielern dargestellt wird. Diese bilden aus dem Stehgreif verrückt-komische Sätze, indem jeder Schauspieler jeweils nacheinander ein Wort zum bereits Gesagten hinzufügt.

Zum Schreien komisch ist “Halbzeit”. Hier haben die Spieler zunächst drei Minuten Zeit das vom Publikum vorgeschlagene Märchen Rumpelstilzchen zu interpretieren, danach die Hälfte dieser Zeit, usw.

In “Der Elb” wird ein Mädchen von ihrer Umwelt ausgegrenzt, weil sie eine Vorliebe für Star Trek und Herr der Ringe hat. Sie trifft in einer Lebenskrise auf ihr eigenes, elbisch sprechendes Ich und erkennt, dass eben nur diese fiktive Welt sie glücklich macht, weshalb sie an ihr festhalten wird, ganz gleich, was andere über sie denken.

“Eine andere Art von Freundschaft” handelt von der oberflächlichen Freundschaft vier junger Frauen, die sich auf einer Party befinden. Innerlich wünschen sie sich mehr Tiefe in ihrer Freundschaft, mehr über die anderen zu erfahren, anstatt nur über Kleidung zu reden, doch keine bringt den Mut auf ihre Gefühle auszusprechen, wahrscheinlich aus Angst davor, sich eine Blöße zu geben.

Sehr beeindruckend sind auch eine Interpretation des Gedichts “Wahnsinn” von Emily Dickinson und eine sog. Transgender-Szene, die uns die Absurdität der sozialen Geschlechterkategorisierung vor Augen führt.

Den Bogen zur “Quasi-Normalität” schlägt die Theatertruppe mit Regisseur und Lehrer Christian Lange gekonnt mit der Abschlussszene, in der Schauspielerin Julia Manzke auf sehr eindringliche Weise die Kinderhymne von Brecht rezitiert, während alle Schauspieler nacheinander auf die Bühne kommen und in anklagender Haltung verharren.

Während des Umbaus und in der Pause stimmte Francis Lomberio mitreißende Gitarrenklänge und Gesang an.
Das gelungene Theaterstück wurde mit lang anhaltendem Applaus bedacht.


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